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Dichtschlämmung
Dichtschlämmung ist ein Verfahren zur Abdichtung von Bodenflächen, Kellern, Fundamenten und anderen Bauteilen durch das Auftragen von zementgebundenen oder kunststoffbasierten Schlämmschichten. Die Schlämmung erzeugt eine wasserdichte oder wasserdampfbremsende Barriere, die Feuchte und Wasser von außen abhält oder deren Eindringen deutlich verlangsamt.
Definition und Grundprinzip
Eine Dichtschlämmung besteht aus einer oder mehreren aufgetragenen Schichten feiner Suspension – einer sogenannten Schlempe – die in Risse, Poren und Fugen des Untergrunds eindringt und dort erhärtet. Im Gegensatz zu Sperrschichten oder Membranen bildet eine Schlämmung keine mechanische Barriere, sondern schließt Kapillaren und Porenraum durch Ausfüllung. Das Verfahren wird besonders häufig im Keller- und Sockelbau eingesetzt.
Materialien und Zusammensetzung
Dichtschlämmungen bestehen typischerweise aus Zement, feinstem Sand, Zuschlagstoffen und Zusatzmitteln. Es gibt verschiedene Grundtypen:
- Zementäre Schlämmungen: Reine Zement-Schlämmen, oft mit Silika- oder Quarzmehl, die durch hydratisiertes Calciumsilikat-Hydrat (C-S-H) abdichten.
- Kunstharz-Schlämmungen: Auf Basis von Polyurethan, Epoxid oder Acrylat, deutlich flexibler und feuchtebeständiger.
- Hybrid-Systeme: Kombination aus zementären und kunststoffbasierten Komponenten für verbesserte Haftung und Elastizität.
Anwendungsbereiche
Dichtschlämmungen werden in der Praxis vor allem bei folgenden Bauaufgaben eingesetzt:
- Kellerabdichtung von innen gegen aufsteigende Feuchte
- Nachträgliche Abdichtung von Fundamenten und Sockelbereichen
- Schutz von Betonbauteilen vor Wassereintritt (z. B. Tiefgaragen)
- Oberflächenschutz bei denkmalgeschützten Mauerwerk
- Abdichtung von Rissen und feinen Fugen in bestehenden Bauteilen
Unterschied zu anderen Abdichtungsverfahren
Dichtschlämmungen unterscheiden sich von Sperrschichten (Bitumenbahnen, Kunststofffolien) dadurch, dass sie keinen physisch zusammenhängenden Film bilden, sondern in die Poren eindringen. Im Vergleich zu Injektionsverfahren wird die Masse aufgetragen, nicht eingepresst. Gegenüber Dichtungsschlämmen (hydrathafter Behandlung) sind moderne Dichtschlämmungen dichter und langlebiger.
Verarbeitung und Qualitätsfaktoren
Die Güte einer Dichtschlämmung hängt stark vom Untergrund ab. Dieser muss sauber, fest und möglichst fein sein. Lose Teile, Staub und Verschmutzungen müssen entfernt werden. Die Schlämmung wird in der Regel in zwei bis drei Lagen aufgetragen; jede Lage muss ausreichend abbinden (üblicherweise 24–72 Stunden), bevor die nächste aufgebracht wird. Ein zu schnelles Trocknen oder Frost während der Härtung führt zu Rissen und Minderwertigkeiten.
Häufige Verwechslungen und Fallstricke
Schlämmung vs. Sperre: Eine Schlämmung ist kein Ersatz für eine ordnungsgemäße Horizontalsperre; sie kann aber eine beschädigte Sperre ergänzen oder verstärken. Haftung: Schlämmungen funktionieren nur, wenn sie auf mineralischem Untergrund (Beton, Mauerwerk) haften; auf Anstrichen oder Farbresten haften sie nicht. Feuchte-Vorbehandlung: Stark feuchte oder staunass Bereiche müssen vor der Schlämmung gründlich abgetrocknet werden, sonst kann die Masse nicht eindringen.
Langzeitverhalten und Wartung
Zementäre Schlämmungen können bei sehr hohem Wasserdruck oder ständiger Wasserlast (z. B. direkt an Grundwasser) mit der Zeit durchweichen. Kunstharz-Schlämmungen sind langlebiger, aber kostspieliger. Eine regelmäßige Sichtprüfung empfiehlt sich, um Risse oder Abplatzungen früh zu erkennen. Im Sauerland und der Südwestfalen-Region mit hohen Niederschlägen und oft feuchtem Klima zeigt sich die Qualität einer Schlämmung besonders deutlich über Jahre.
Normative Grundlagen
In Deutschland regelt die DIN 18195 (Bauwerksabdichtungen) die Anforderungen an Abdichtungen, einschließlich Schlämmungen. Für spezielle Anwendungen gelten zusätzlich die Richtlinien des Verbands der Dämm- und Abdichtungsindustrie (VDAI) sowie Herstellervorgaben für Spezialprodukte.