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Eigenkompostierung
Eigenkompostierung (auch: Hauskompostierung, Selbstkompostierung) ist das Verfahren der dezentralen Umwandlung organischer Abfälle durch biologische Zersetzung an Wohnstätten oder Gartengrundstücken. Dabei werden pflanzliche und teilweise tierische Materialien unter Zutun von Mikroorganismen und Bodenlebewesen in humusreiche Komposte umgewandelt, ohne dass gewerbliche Kompostieranlagen erforderlich sind.
Grundprinzipien und biologische Prozesse
Die Eigenkompostierung basiert auf natürlichen Abbauprocessen, die in Kompostmieten oder Behältern stattfinden. Organische Substanzen werden durch Bakterien, Pilze und Invertebraten (Regenwürmer, Asseln) in mineralische Nährstoffe und stabilen Humus umgewandelt. Dieser Prozess erfolgt aerob (mit Sauerstoff) oder – in schlecht durchlüfteten Behältern – teilweise anaerob.
Ein klassischer Eigenkompost durchläuft üblicherweise drei Phasen: die intensive Zersetzungsphase (3–6 Monate), die Reifeungsphase (2–6 Monate) und die Ausreifung (mehrere Wochen bis Monate). Die Temperatur im Komposthaufen erreicht dabei 40–70 °C, was pathogene Keime reduziert.
Materialien für die Eigenkompostierung
Geeignete Materialien umfassen Gemüseabfälle, Obstschalen, Kaffeesatz, Teefilterbeutel, Rasenschnitt, Laub, Schnittgut von Stauden und Gehölzen sowie zerkleinerte Äste. Ungünstig sind Fleischreste, Milchprodukte, geölte Speisereste und erkrankte Pflanzenteile, die Schädlinge anlocken oder Krankheitserreger verbreiten können.
Das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis (C/N-Verhältnis) sollte etwa 25–30:1 betragen. Dies wird durch Mischen von kohlenstoffreichen Materialien (Laub, Stroh, Papier) mit stickstoffreichen Komponenten (Küchenabfälle, Rasenschnitt) erreicht.
Praktische Umsetzung
Eigenkompostanlagen werden als offene Mieten auf dem Boden, in Kompostbehältern (Kunststoff- oder Holzkisten) oder Thermokomposter ausgeführt. Offene Systeme erfordern regelmäßiges Umsetzen zur Belüftung; geschlossene Behälter benötigen weniger Arbeitseinsatz, fördern aber teilweise anaerobe Phasen.
Die Lagerung sollte auf durchlässigen Untergrund erfolgen, um Bodenkontakt zu ermöglichen. Eine ausreichende Belüftung durch Durchlochung oder lockere Schichtung ist zentral. Bei Staunässe und Verdichtung entstehen Faulungsprozesse mit Geruchsbelästigung und Methangasentwicklung.
Verwechslungsgefahren und Missverständnisse
Häufig werden Eigenkompostierung und Vermicompostung (Wurmkompostierung) gleichgesetzt. Letztere ist ein spezialisiertes Verfahren in geschlossenen Behältern mit gezüchteten Wurmarten, erfordert konstante Temperaturen und ist für Privathaushalt geeigneter. Die klassische Eigenkompostierung benötigt mehr Platz und Zeit.
Ein weiterer Irrtum: Kompost aus der Eigenanlage ist nicht sofort nach Fertigstellung ein vollwertiger Pflanzennährstoff. Unreifer Kompost kann Stickstoff dem Boden entziehen und das Pflanzenwachstum hemmen. Nur dunkelbraun gefärbtes, krümeliges Material mit Humusgeruch ist pflanzenverfügbar.
Regionale Aspekte und Regulierung
In Nordrhein-Westfalen und dem Märkischen Kreis (Schalksmühle, Hagen) regeln Abfallsatzungen teilweise, ob Eigenkompostierung erforderlich oder optional ist. Manche Kommunen fördern sie aktiv als Beitrag zur Abfallvermeidung; andere schränken sie aus Lärmschutzgründen ein. Eine Absprache mit der zuständigen Abfallwirtschaft ist empfehlenswert.
Ökologische und praktische Bedeutung
Eigenkompostierung reduziert die Menge von Grünabfällen in gewerblichen Verwertungsanlagen, senkt Transportemissionen und schließt Nährstoffkreisläufe im eigenen Garten. Der resultierende Kompost verbessert Bodenstruktur, Wasserspeicherung und Humusgehalt – ein wesentlicher Faktor für klimaresiliente Gärten im Raum Schalksmühle und Südwestfalen.