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Rhizomsperre
Rhizomsperre (auch: Wurzelsperre, Rhizombarriere) ist eine physikalische Schutzvorrichtung im Garten- und Landschaftsbau, die das unkontrollierte, horizontale Ausbreiten von Wurzeln und unterirdischen Sprossen (Rhizomen) aggressiv wachsender Pflanzenarten in angrenzende Bereiche verhindert.
Botanische Grundlage
Zahlreiche Zier- und Nutzpflanzen breiten sich nicht ausschließlich über Samen, sondern vorrangig über unterirdische Ausläufer aus. Diese als Rhizome bezeichneten Sprosskonstruktionen wachsen horizontal im Boden und treiben in regelmäßigen Abständen neue oberirdische Triebe aus. Typische Vertreter mit starkem Rhizomwachstum sind Bambus (Phyllostachys-Arten, Fargesia-Arten), Schilf (Phragmites australis), Staudenknöterich (Reynoutria japonica), Pfefferminze (Mentha × piperita) sowie verschiedene Gräserarten. Ohne geeignete Begrenzung können solche Pflanzen innerhalb weniger Vegetationsperioden Pflasterflächen, Fundamente, Rasenflächen oder benachbarte Pflanzbeete erheblich beschädigen.
Aufbau und Materialien
Eine Rhizomsperre besteht in der Regel aus einem flexiblen, gleichzeitig aber mechanisch hochbelastbaren Folienstreifen aus High-Density-Polyethylen (HDPE) mit einer Materialstärke von mindestens 1,0 mm, in anspruchsvollen Anwendungen auch 2,0 mm oder mehr. Der Streifen wird senkrecht in den Boden eingebracht und zu einem geschlossenen Ring oder einer Linie geformt. Die Einbautiefe richtet sich nach der jeweiligen Pflanzenart: Bei Bambus der Gattung Phyllostachys werden mindestens 60 bis 80 cm empfohlen, da die Rhizome dieser Art besonders tief und weitreichend wachsen können. Klumpenbildende Bambusarten (Fargesia) benötigen aufgrund ihres geringeren Ausbreitungsdrangs in der Regel nur eine Tiefe von 40 bis 50 cm. Oberhalb der Geländeoberkante sollte die Sperre mindestens 5 cm herausragen, um ein Überkriechen der Rhizome zu verhindern. Die Stoßstellen der Folie werden mit speziellen Klammern aus Edelstahl oder korrosionsbeständigem Kunststoff verbunden; eine Überlappung von mindestens 30 cm gilt als Mindeststandard.
Einbau in der Praxis
Im Garten- und Landschaftsbau wird die Rhizomsperre üblicherweise vor der Pflanzung eingebaut. Dazu wird ein Graben in der erforderlichen Tiefe ausgehoben, die Folie eingestellt, ausgerichtet und fixiert, bevor der Graben lagenweise mit dem Aushub verfüllt und verdichtet wird. Bei nachträglichem Einbau – etwa wenn sich Bambus bereits unkontrolliert ausgebreitet hat – ist zunächst eine vollständige Entfernung aller Rhizome notwendig, da die Sperre keine bereits vorhandenen Ausläufer zurückdrängt. Eine regelmäßige Sichtkontrolle, mindestens einmal jährlich im Frühjahr, stellt sicher, dass keine Rhizome die Oberkante überwachsen haben.
Abgrenzung zu verwandten Produkten
Die Rhizomsperre ist von der Wurzelschutzfolie zu unterscheiden: Letztere dient primär dem Schutz von Abdichtungen oder Drainagen vor mechanischer Beschädigung durch Baumwurzeln und wird häufig im Dachgarten- und Tiefgaragenbau eingesetzt. Eine Rhizomsperre hingegen ist auf das seitliche Ausbreiten von Rhizomen ausgelegt und weist daher eine andere Geometrie und Materialdicke auf. Ebenfalls nicht zu verwechseln ist sie mit einfachen Rasenkanten aus Kunststoff oder Metall, die lediglich oberflächennahe Ausläufer zurückhalten und keinen Schutz vor tiefwachsenden Rhizomen bieten.
Fallstricke und typische Fehler
Ein häufiger Fehler beim Einbau ist eine zu geringe Einbautiefe, insbesondere bei hochwüchsigem Bambus. Rhizome können in frostfreien, lockeren Böden tiefer als erwartet wachsen und eine zu flach eingebaute Sperre seitlich unterkriechen. Ebenso problematisch ist ein ungenügend gesicherter Stoß: Selbst kleine Lücken im Verbindungsbereich werden von Bambus-Rhizomen zuverlässig gefunden und durchdrungen. Mindere Materialqualitäten mit unzureichender UV-Beständigkeit oder zu geringer Wandstärke können zudem nach wenigen Jahren brüchig werden und ihren Zweck verlieren.