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Schotterrasen
Schotterrasen bezeichnet eine spezifische Form der Gartengestaltung und Freiflächenbefestigung, bei der eine offene, wasserdurchlässige Schicht aus Kies, Schotter oder Splitt auf Bodenflächen aufgebracht wird, häufig in Kombination mit Vliesgewebe oder Fugenmaterial, das das Wachstum von Vegetation unterdrückt.
Definition und Abgrenzung
Im gärtnerischen und landschaftsbaulichen Kontext unterscheidet sich der Schotterrasen grundlegend von begrünten Rasenflächen sowie von vollversiegelten Belägen wie Asphalt oder Beton. Der Begriff wird in der Praxis uneinheitlich verwendet: Teilweise bezeichnet er Flächen, die ausschließlich aus mineralischem Material bestehen und keine Vegetation beherbergen sollen. In anderen Zusammenhängen steht er für extensive Begrünungsformen, bei denen niedrigwüchsige Pflanzen gezielt in einem Schotterbett kultiviert werden – etwa im Rahmen von Kiesgärten oder Steingärten.
Davon abzugrenzen ist der sogenannte Rasengitterstein (Rasenpflaster), der konstruktiv eine Kombination aus Befestigung und Begrünung darstellt, sowie das Konzept des Schotterbeetes, das primär als Pflanzfläche für trockenheitsverträgliche Stauden und Gehölze angelegt wird.
Verbreitung und Praxisrelevanz
Schotterrasenflächen sind in Deutschland seit den 1990er Jahren verbreitet, insbesondere in Vorgärten, Einfahrtsbereichen und Hausnebenflächen. Häufig wurden sie mit dem Argument angelegt, pflegeleicht und kosteneffizient zu sein. In der Region Südwestfalen – darunter Kommunen wie Schalksmühle, Hagen, Lüdenscheid und der Märkische Kreis – ist diese Flächenform in vielen privaten Hausgärten anzutreffen.
Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus, darunter Mitglieder des GaLaBau-Fachverbands NRW, bewerten Schotterrasenflächen zunehmend kritisch. Aus gartenplanerischer Perspektive stehen dem vermeintlichen Pflegevorteil erhebliche ökologische und gestalterische Nachteile gegenüber.
Ökologische Bewertung
Vollständig vegetationsfreie Schotterflächen gelten in der Fachliteratur als ökologisch problematisch. Folgende Aspekte werden von Landschaftsbauern, Ökologen und Kommunalplanern übereinstimmend beschrieben:
- Wärmeentwicklung: Mineralische Oberflächen ohne Vegetation speichern Wärme und erhöhen die Umgebungstemperatur erheblich – ein Effekt, der in verdichteten Siedlungsbereichen zum urbanen Wärmeinseleffekt beiträgt.
- Versiegelungswirkung: Obwohl Schotter prinzipiell wasserdurchlässig ist, verliert die Fläche durch Feinsedimenteintrag, Vliesunterlagen und Verdichtung im Laufe der Zeit ihre Versickerungsfähigkeit. Dies kann den Oberflächenabfluss bei Starkregenereignissen erhöhen.
- Biodiversitätsverlust: Auf vegetationsfreien Schotterflächen fehlen Lebensräume für Insekten, Bodenmikroorganismen und bodenbewohnende Wildbienenarten. Die ökologische Funktion solcher Flächen ist im Vergleich zu begrünten Alternativen stark eingeschränkt.
- Bodenleben: Unter dauerhaft abgedeckten Flächen verarmt das Bodenleben durch fehlenden organischen Eintrag und unterbrochenen Gasaustausch.
Rechtlicher Kontext
In mehreren deutschen Bundesländern sowie einzelnen Kommunen in Nordrhein-Westfalen bestehen Regelungen, die die Neuanlage von vollversiegelten oder vegetationsfreien Vorgärten einschränken oder untersagen. Bebauungspläne und Grünordnungssatzungen können vorschreiben, dass Freiflächen begrünt oder zumindest wasserdurchlässig gestaltet werden müssen. Eigentümer sollten vor der Anlage von Schotterflächen die geltende Bauleitplanung der jeweiligen Gemeinde prüfen.
Alternativen in der Gartengestaltung
Aus Sicht des modernen Garten- und Landschaftsbaus existieren gestaltungsästhetisch ansprechende und zugleich ökologisch wertvollere Alternativen zum reinen Schotterrasen:
- Schotterbeet mit Pflanzung: Trockenheitsverträgliche Stauden wie Lavendel (Lavandula), Katzenminze (Nepeta), Ziergräser oder Fetthenne (Sedum) werden in offenem Kies- oder Splittbett kultiviert. Die Fläche ist pflegeextensiv und bietet gleichzeitig Habitatwert für Insekten.
- Kiesgarten nach mediterranem Vorbild: Offene Mineralflächen werden mit ausgewählten Gehölzen, Gräsern und Polsterpflanzen kombiniert – ein Konzept, das Trockenresistenz und gestalterische Qualität verbindet.
- Rasenpflaster und Rasengittersteine: Für befestigte Flächen wie Stellplätze oder Einfahrten bieten wasserdurchlässige Pflastersysteme mit Grünfugenfüllung eine funktionale Alternative.
- Extensive Begrünung: Niedrigwüchsige Bodendecker wie Thymian (Thymus), Storchschnabel (Geranium) oder Schafgarbe (Achillea) können pflegearme, vollständig begrünte Flächen bilden.